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Walid Shoebat – Sein Leben inmitten des Nahost-Konflik

Als Kind warf er Steine gegen die jüdischen Beter an der Klagemauer, dann wurde er Terrorist und später
in Chicago Fundraiser für die PLO. Heute glaubt er an Jesus Christus. In unserem Exklusiv-Interview schildert
Walid Shoebat sein Leben inmitten des Nahost-Konflikts.

Walid Shoebat, wie sind sie aufgewachsen?

W. Shoebat:
Mein Großvater hatte Land in Beit Sahur, in der Nähe von Bethlehem.
Er war ein guter Freund von Haj Amin-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem (und Kollaborateur von Adolf Hitler). Sein Ziel war,
die jüdische Gesellschaft in islamischen Ländern zu zerstören. Als ich sechs war, gab es einen Krieg, den aber Israel gewann.
Ich wuchs in einer islamischen Familie auf, mein Vater war Moslem. Er war Mukhtar, das heißt, er war der islamische Ortsvorsteher von Beit Sahur. Meine Mutter war Amerikanerin, er hatte sie an der Humboldt-
Universität kennen gelernt. Sie entschied sich, nach Israel – damals war dieser Teil noch Jordanien – zu kommen. Er zwang sie, zum Islam zu konvertieren.
Weil sie mehrfach versucht hatte zu fliehen, nahm er ihr den Pass weg. Sie durfte nicht mehr nach Hause.
Insgeheim blieb sie aber Christin.

Als Schuljunge sollen Sie Popcorn essend Holocaustfilme
angeschaut haben?

W. Shoebat:
Ja, das war bei uns zu Hause. Das israelische Fernsehen zeigte diese Dokumentationen damals mehrere Tage lang.
Es gab damals nur zwei Fernsehsender: einen jordanischen und einen israelischen.
Wir hatten also keine Chance, um dieses Thema herumzukommen. Die Holocaustfilme amüsierten mich.
Ich glaubte nämlich nicht, dass es diese Verbrechen wirklich gegeben hat. Wir hatten schließlich in der Schule gelernt, das alles sei bloß jüdische Propaganda, etwas nachträglich Konstruiertes und keine Wahrheit. Mit der Popcorn-Tüte in der Hand schaute ich mir also diese Sachen an. Wir fanden das lustig:
„Wie konnten die nur so viele kahl rasierte Darsteller finden?“ Wir gingen nicht davon aus, dass diese Körper real wären. Wir dachten nur: „Wer diese Filme gemacht hat, der muss ein Genie sein.“

Schulfach Antisemitismus
Sie glaubten, die Holocaustfilme wären Propaganda,
und das machte Sie wütend und zum Terroristen?

W. Shoebat:
Ja, genau. Es ist wichtig zu sehen, wie Hitler die deutsche Gesellschaft „entführte“:
Er hat ihnen die Bildung geraubt; Gehirnwäsche. Er stellte die Juden als Ratten dar und sein eigenes Volk als die große arische Rasse. Der Islam tut nach wie vor dasselbe. Juden hatten in Nazi-Deutschland keine Rechte.
In islamischen Ländern sind sie ebenfalls benachteiligt. Zu Hitlers Zeit lebten sie in Gettos – in islamischen Ländern dürfen sie nicht die großen Straßen verwenden, sondern müssen durch die schmalen gehen.
Ein Jude darf nicht neben einem Moslem bauen und auch nicht neben einem beerdigt werden.
Es heißt, die Moslems seien eine spezielle Rasse, ganz besondere Menschen. Die Juden werden „Affen“ genannt.
Genau das, was in Nazi-Deutschland geschah, wird heute in palästinensischen Schulen gemacht.

So eine Haltung haben Sie in der Schule gelernt?

W. Shoebat:
Ja. Die Bildung wird einem geraubt. Die Erziehung ist mit der aus dem Hitlerreich zu vergleichen.
Oder die ganze Haltung der islamischen Welt zum Kampf gegen das Judentum. Sie entspricht genau Mohammeds Aussage in der Hadith: „Ihr werdet die Juden so lange bekämpfen und töten, bis sie sich verstecken.
Aber der Stein und der Baum werden sagen: »Oh Moslem, oh Diener Allahs, ein Jude versteckt sich hinter mir.
Komm und bring ihn um!«“

Sie wurden Terrorist.
Haben Sie sich selbst dafür entschieden, oder war das einfach eine Folge der Indoktrination in der Schule?

W. Shoebat:
Das war wegen der Indoktrination. Die hatten wir aber nicht nur in der Schule. Die Indoktrination ist in der Kultur,
in den Moscheen, in den Zeitungen und den Medien sowie in den Straßen auf Graffitis. Oder in den Liedern, der Kunst – schlicht in allem. Alles ist antisemitisch, alles. Als ich meine Heimat wieder besuchte, konnte ich nicht einen einzigen Meter Mauer ohne Graffiti finden, ob das nun ein Haus oder sonst eine Mauer war.

Dies hat sich im Jahr 2004 nicht geändert?

W. Shoebat:

Nein. Es gibt überall Graffitis wie: „Killing Jews“, „Destroying Jews“, „Revolution“ und „War“.
 

„Dann warf ich die Bombe …“ Die Gehirnwäsche funktionierte:
Walid Shoebat warf nicht mehr nur Steine gegen die jüdischen Beter an der Klagemauer.
Er wurde Terrorist. Irgendwann wurden Sie selber zum Terroristen.

Welche Aktionen haben Sie da ausgeführt?

W. Shoebat:
Na ja, man fängt klein an und hört groß auf. Ich begann mit Steinewerfen, und zuletzt landete ich im Gefängnis,
weil ich in Jerusalem einen Bombenbastler besucht hatte. Er hatte mir eine Bombe mit Zeitzünder hergestellt.
Wegen der Kontrollposten in der Altstadt und an den Toren versteckte ich sie in einem Brot. Es gelang mir, die Bombe aus der Altstadt zu schmuggeln. Ich wollte sie in Bethlehem in der israelischen Bank Leumi detonieren lassen. Dann sah ich dort aber arabische Kinder spielen, die wollte ich nicht verletzen. Ich warf die Bombe deshalb auf das Dach der Bank. Fünf Minuten später explodierte sie. Ich sah eine riesige Rauchsäule und rannte heim. Es dauerte drei Tage, bis ich herausgefunden hatte, dass niemand verletzt wurde. Zum ersten Mal wusste ich,
wie es sich anfühlt, wenn Blut an den eigenen Händen kleben könnte. Aber zum Glück war niemand dabei umgekommen. Gesehen habe ich aber alles schon mal, auch Leute, die bei Demonstrationen gestorben waren.
 

Bei diesem Attentat war Walid Shoebat 16 Jahre alt. Bei einer anderen Gelegenheit erschlug er mit Kollegen beinahe einen israelischen Soldaten, der versuchte, einen Steinewerfer zu fangen. Sie hatten mit einem Knüppel auf ihn eingeschlagen, bis er stark blutete, so Shoebat. Jemand ist ihm dann zu Hilfe gekommen, so dass der Soldat
davonkam.

Dann gingen Sie nach Chicago und wurden Fundraiser für die PLO. Was genau haben Sie gemacht?

W. Shoebat:
Ich habe in Chicago in einem amerikanischen Regierungsprogramm für die arabischen Studenten am „Loop College“ mitgearbeitet. Ich war dort Präsident der palästinensischen Verbindung und arbeitete zum Beispiel als Übersetzer.
Auf Englisch spielte ich meine Rolle, auf Arabisch sagte ich die Wahrheit. So organisierten wir eine Fundraising-Party.
Auf Arabisch sagten wir, dass sie für die PLO ist – die Wahrheit. In der englischen Übersetzung behaupteten wir, dass wir die Kultur unterstützen wollten, denn schließlich brauchten wir Geld. So erhielten wir zum Beispiel auch Geld von der amerikanischen Heilsarmee. Oder wir organisierten palästinensische und islamische Kundgebungen in Chicago, lauter solche Sachen.

Eines Tages wurden Sie Christ. Wie ist das gegangen? Das ist ja kein normaler Wechsel.

W. Shoebat:
Ja, das ist nicht ein normaler Wechsel. Ich war mit einer katholischen Frau verheiratet und wollte sie zum Islam bekehren. Ich unterbreitete ihr den Koran und sagte ihr, wie toll dieses Buch sei. Sie sagte, sie wüsste nicht, warum sie sich von ihrem Glauben trennen sollte. Ich sagte ihr: „Deine Religion ist korrupt. Die Juden haben sie dazu gemacht. Die Juden haben die Propheten umgebracht. Wie kannst du den Juden trauen?“
Sie sagte: „Kannst du mir die Probleme in der Bibel zeigen?“ Also legte ich mir eine zu und fand die Geschichte von David und Batseba. Ich sagte zu meiner Frau: „Schau, hier: Wie kann ein Prophet so etwas Mieses mit dieser Frau tun und ihren Mann umbringen? Mohammed hat solche Sachen nie getan!“ Dann las ich wieder im Koran und fand die Geschichte von Said, einem Adoptivsohn von Mohammed. Mit dessen Frau wollte Mohammed ins Bett …
Ich hatte immer gut über den Koran gesprochen. Doch nun sah ich, dass da drin auch solche Geschichten stehen. Warum ging Mohammed mit der Frau seines Adoptivsohns ins Bett? In der Bibel kam immerhin der Prophet Nathan zu David und sagte: „Was hältst du von einem Mann, der die Frau eines anderen nimmt und ihn selber umbringen lässt?“ Nathan sagte dann: „Du bist dieser Mann!“ David bereute. Es gab allerlei Strafen für ihn.
Im Koran geschah aber nichts dergleichen. Was Mohammed tat, gilt damit als gute Sache.
Also schaute ich in den Spiegel. „Moment mal“, sagte ich zu mir. „Selber bin ich jetzt auch nicht perfekt.“ Ich griff wieder zur Bibel und las über Israel und wie Gott dieses Land in der Vergangenheit geplant hatte und wie er Dinge vorausgesagt hatte. Er hatte alles so kommen sehen, wie es dann auch eintraf. Er zeichnete sich dadurch aus als Gott der Prophetie, als ein Gott, der in der Vergangenheit die Zukunft gesehen hat. Allein 8.352 Verse der Bibel behandeln Prophetien; die meisten davon sind mittlerweile erfüllt.
Ich erkannte, dass ich selber schlecht war – und nicht die Juden, wie man mir beigebracht hatte. Warum haben wir Kinder denn Steine gegen Juden geworfen? Warum haben wir Bomben gelegt? Ich hatte nie einen Juden kennen gelernt, nie mit einem geredet. Aber sie zu hassen war eine Leidenschaft. Warum eigentlich?
Weil jemand sie als Feinde gebrandmarkt hatte, Satan nämlich. Er ist der Zerstörer von jedem, auch von den Moslems. Er hasst uns. So begann ich, Satans Absichten zu verstehen. Und das ist das Problem des Islam. Man setzt sich nicht mit ihm auseinander und weiß nicht, wer er ist und was für schlechte Dinge er tut. Satan wird als dumm dargestellt. Seine Mission sei es, uns zum Trinken, Spielen und Sündigen zu verleiten. Aber das ist nicht seine
Mission. Sein Ziel ist es, zu verhindern, dass wir Gott sehen können.
Das begann ganz am Anfang der Weltgeschichte, in der Genesis. Der Sündenfall fehlt aber im Koran.
Wenn es den Sündenfall nicht gibt, braucht es auch die Erlösung nicht. Ich teilte meine Entscheidung einem Diplomaten von Arafat mit. Und alles, was der mir sagen konnte, war, dass ich meine Religion und mein Volk verraten hätte. Auch meine Familie hat mich verstoßen. Sie haben sich von mir abgewandt und mir meinen Grundbesitz dort genommen. Ich lernte, dass Christsein mit Leiden verbunden ist.

Fühlen Sie sich wie Mose in der Wüste?

W. Shoebat:
Ja, schon. Ich bekomme diverse Sorgen von Christen und messianischen Juden mit. Und ich kann mir vorstellen, wie sich Mose gefühlt haben muss. Manchmal sagen die Leute, wenn ich spreche, sollte ich nicht auf die Bibel verweisen. Aber wie kann ich das lassen? Mose ist auf den Sinai gegangen, um dort die Gesetzestafeln zu erhalten. Dann sagten die Leute: „Komm herunter, wir haben hier einen eigenen Gott“ – das goldene Kalb. Manchmal fühle ich mich so.
Die Leute wollen miteinander einen friedlichen Weg finden, aber außerhalb der Bibel. Wie kann man Frieden haben, wenn man sich nicht darum schert, was Gott über die betreffenden Länder gesagt hat?

Ihr Ziel ist, aus Amerika in den Nahen Osten zurückzugehen und die Gehirnwäsche rückgängig zu machen.
Wann und wie wollen Sie dies tun?

W. Shoebat:
Ich warte auf eine Einladung aus Israel.

Ein Interview von Daniel Gerber.